Bildvorstellung: forest view

Posted by in Bildbearbeitung, Fotografie

Mein erster größerer Beitrag soll eine Bildvorstellung sein. Es handelt sich um ein Foto, welches ich nach einem Wochenendausflug in die Böhmische Schweiz aufgenommen habe. Das eigentliche Hauptziel dieser Tour war der Sonnenaufgang vom Prebischtor aus zu fotografieren, für den die ca. einstündige Wanderung 3:30 Uhr losging. Wer sich für das Resultat interessiert, kann gern hier und hier schauen.

Das für mich beeindruckendere Foto dieses Ausflugs ist jedoch später am Vormittag entstanden. Nach der Rückkehr vom Prebischtor war noch genügend Zeit, um durch die umliegenden Wälder zu streifen und sich von der Edmundsklamm verzaubern zu lassen. Auf dem Weg zur Klamm entdeckte ich folgende Szene:

forest view

Ich möchte erläutern, wie dieses Bild zustande gekommen ist.

Die Aufnahme

Zuerst ist mir das sumpfige, grüne Wasser aufgefallen, welches mit dem dichten Gras und den Pflänzchen (bitte entschuldigt, ich bin kein Kenner, was Pflanzen angeht) sehr interessant aussah. Ich wusste, dass ich das irgendwie fotografieren möchte. Bei der Suche nach eine spannenden Komposition fiel mir die Flucht zwischen den Hängen links und rechts auf, durch die glücklicherweise genau in diesem Moment auch die Sonne brach. Das gab der gesamten Szene eine wunderschöne Tiefe und spannende Lichtstimmung. Einzufangen war das nur mit einem starken Weitwinkel. Das Wasser konnte ich damit mit einer sehr niedrigen Position perfekt als Vordergrund einbauen.

Hier die unbearbeitete Originalaufnahme (RAW-Format interpretiert von Lightroom 5):

forest view

EXIF-Informationen

  • Brennweite: 15mm
  • Belichtung: 1/5s
  • Blende: 9.0
  • ISO: 200

Fotografiert wurde mit einer Nikon D90 und dem Sigma 10-20mm f/4-5.6 Objektiv vom Stativ.

Bildbearbeitung

Ich habe das Bild ausschließlich in Lightroom 5 aus dem RAW-Format heraus entwickelt. Es waren recht wenige Bearbeitungsschritte notwendig.

Meist beginne ich mit einem Preset, welches ich auf die meisten Bilder anwende, um eine gute Ausgangssituation für die weitere Bearbeitung zu haben. Das Preset wendet die automatische Tonwertkorrektur an, aktiviert die Objektiv-Profilkorrektur, erhöht dezent Klarheit, Kontrast und Sättigung, wendet eine leichte ISO-Korrektur an und schärft das Bild. Durch die automatische Tonwertkorrektur wird das Histogramm vollständig ausgeschöpft, ohne großartig Abrisse zu riskieren. Da Lightroom dabei nur durch einen Standardalgorithmus eine Annahme trifft funktioniert das mal mehr und mal weniger gut, bietet mit aber oftmals einen guten Start für weitere Schritte. Bei diesem Bild sah das so aus:

forest view

Anschließend habe ich die Belichtung manuell nachjustiert, d.h. insbesondere in den Lichtern wieder stark zurückgeregelt. Mit einem dezenten Verlaufsfilter über der Baum-Flucht habe ich den Weißabgleich selektiv etwas wärmer gewählt, um der Sonneneinstrahlung gerechter zu werden. Den letzten Feinschliff gab es durch die selektive Sättigungsanhebung in den Gelb- und Orangetönen sowie einer leichten Perspektivkorrektur. Folgende Bilder zeigen meine Lightroom-Einstellungen:

_DSC6509-settings1_DSC6509-settings2

Auf diese Anpassungen beschränkt sich die Bearbeitung dieses Bildes schon. Das Resultat kommt der Lichtstimmung und Atmosphäre vor Ort sehr nahe. Und genau das war mein Ziel.

Selbstkritik

Das Fotografieren im Wald ist immer eine große Herausforderung aufgrund der vorherrschenden starken Kontraste. Auch bei dieser Aufnahme konnte die Kamera nicht den vollen Kontrastumfang der Szene aufnehmen. Das führt zu leicht ausgebrannten Lichtern zwischen den Bäumen. Eventuell hätte ich eine Belichtungsreihe anfertigen sollen, um zumindest zu probieren, ob die Überblendung der Belichtungen (oder HDR, obwohl mir die Ergebnisse fast nie zusagen) hier noch etwas gebracht hätten.

Unsicher bin ich mir bei dem dünnen Ast im rechten Vordergrund. Auf der einen Seite ärgere ich mich, dass ich ihn im Moment der Aufnahme nicht bemerkt habe, um zumindest auch eine Aufnahme ohne probieren zu können. Auf der anderen Seite hätte ich mit dem Entfernen des Asts die Szene manipuliert, was aus meiner Sicht bei Naturaufnahmen nicht unbedingt gute Schule ist. Das Entfernen des Asts via Bildbearbeitung erscheint mir realistisch. Aber in diesem Fall geht mir persönlich die Manipulation zu weit, weshalb ich davon absehe.

Schlußbemerkung

Dies war mein erster umfangreicher Blogbeitrag. Ich hoffe, ich erreiche damit interessierte Leser und bin über jegliches Feedback oder auch ein kurzes Danke sehr glücklich.